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Erlebnisbericht Krankenhaus - FairTOP hoch 3

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Sonstiges

Erlebnisbericht Krankenhaus


Statisten in Dienstkleidung der Pflege
Teures Personal von Zeitarbeitsunternehmen belasten das Stammpersonal

Erlebnisbericht aus einem deutschen Krankenhaus – Weihnachten zwischen Pflege am Limit und Systemversagen

In der Weihnachtszeit wurde ich aufgrund einer stark entzündeten Wunde am linken Bein in ein Düsseldorfer Krankenhaus eingeliefert. Die Situation war ernst. Durch mein bereits gelähmtes Bein hatte sich die Entzündung so massiv verschlimmert, dass zeitweise sogar eine Amputation im Raum stand.

Doch dieser Bericht soll nicht primär von meiner medizinischen Diagnose handeln. Er soll von dem erzählen, was ich in diesen Tagen im Krankenhaus erlebt habe – insbesondere von der Arbeit des Pflegepersonals und den Bedingungen, unter denen dieses Personal inzwischen eingesetzt wird.

Pflege am Rand der Erschöpfung

Bereits am späten Abend wurde mein Bein von einer freundlichen Pflegekraft fachgerecht versorgt. Trotz der späten Stunde nahm sie sich Zeit, erklärte mir ruhig die nächsten Schritte und vermittelte Sicherheit. Am nächsten Morgen erschien dieselbe Pflegekraft erneut – wieder freundlich, wieder professionell, wieder ruhig.

Auf meine Nachfrage bestätigte sie mir, was viele ahnen, aber wenige wirklich sehen: Doppelschichten seien inzwischen nahezu normal – nicht als Ausnahme, sondern als Regel.
 
Was mich beeindruckte – und gleichzeitig erschütterte – war nicht nur ihre fachliche Kompetenz, sondern die Selbstverständlichkeit, mit der Überlastung hingenommen wird: Freundlichkeit trotz Erschöpfung, Professionalität trotz Dauerstress.

Der trügerische Eindruck von „ausreichendem Personal

Ungewöhnlich erschien mir zunächst, dass auf der Station scheinbar viele Pflegekräfte unterwegs waren – mehr, als ich es aus früheren Krankenhausaufenthalten kannte. Doch dieser Eindruck sollte sich schnell als trügerisch erweisen.

Am ersten Vormittag fielen mir mehrere Personen auf, die Kleidung des Pflegepersonals trugen, sich jedoch auffällig verhielten. Sie schienen nicht wirklich in Arbeitsprozesse eingebunden zu sein. Statt gründlich zu reinigen, wurde mit ein und demselben Tuch lustlos über verschiedene Flächen gewischt – mehr symbolisch als hygienisch wirksam.

Noch irritierender war das Verhalten der tatsächlichen Reinigungskraft: Sie schob den Mopp unfreundlich über den Boden, ohne ihn auch nur ein einziges Mal ins Wasser zu tauchen, reinigte ausschließlich den Mittelgang, leerte keinen Mülleimer und ignorierte sogar deutlich sichtbare Blutflecken – selbst nachdem ich sie ausdrücklich darauf hingewiesen hatte.

„Ich nix wissen, ich nix dürfen, ich nix können“

Parallel dazu kam es bei mir immer wieder zu Problemen mit der Infusion, vermutlich aufgrund meiner schlechten Venenverhältnisse. Als ich um Hilfe bat, erlebte ich etwas, das mich nachhaltig verstörte.

Vier von fünf Pflegekräften, die ich ansprach, reagierten nahezu identisch:

„Ich nix wissen.“
„Ich nix dürfen.“
„Ich nix können.“
 
Diese Aussagen waren nicht böse gemeint, sondern Ausdruck von Überforderung, fehlender Einweisung – und vor allem fehlender Sprachkenntnisse in einem hochsensiblen medizinischen Umfeld.

Die bittere Aufklärung

Erst später, in Gesprächen mit Ärzt*innen und Pflegekräften des Stammpersonals, wurde mir klar, was ich beobachtet hatte.

Die mir aufgefallenen Personen waren keine regulären Pflegekräfte, sondern externe Mitarbeitende verschiedener Zeitarbeitsfirmen – Menschen, die:

  • der deutschen Sprache kaum oder gar nicht mächtig waren,
  • die Arbeitsabläufe nicht kannten,
  • keine Verantwortung übernehmen durften
  • und faktisch nur als optische Besetzung dienten.

Von mehreren Seiten erfuhr ich zudem, dass diese externen Kräfte das Krankenhaus bis zum Dreifachen dessen kosten, was eine fest angestellte Pflegekraft verdient.

Mein Fazit
Was ich in diesen Tagen erlebt habe, war kein individuelles Versagen einzelner Menschen. Es war ein Systemversagen.

Ein System,
 
  • dass sein Stammpersonal bis weit über die Belastungsgrenze hinaus einsetzt,
  • dass Fachlichkeit durch teure, aber unqualifizierte Zeitarbeit ersetzt,
  • dass die Patient*innensicherheit gefährdet
  • und das Pflegekräfte verheizt, statt sie zu schützen.

Die wirklich tragenden Säulen dieses Krankenhauses waren die fest angestellten Pflegekräfte und Ärzt*innen – erschöpft, überlastet, aber hochprofessionell.
Die sogenannten zusätzlichen Kräfte hingegen wirkten wie Statist*innen in Pflegekleidung: teuer, ineffektiv und in kritischen Situationen nicht einsetzbar.

Wenn dieses System nicht grundlegend reformiert wird, ist nicht nur die Versorgung gefährdet – sondern auch die Würde der Menschen, die sie jeden Tag aufrechterhalten.
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